Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler


Geboren am 21. August 1821, gestorben am 30. März 1898.


Reichhaltige Informationen über Dr. Schüßler und seinen Werdegang werden in dem Buch „Die Geschichte der Naturheilweise Biochemie“ von Jürgen W. Ulpts beschrieben (erhältlich im WzG-Verlag – www.wzgverlag.de). Hier in Kurzform für die Geschichts-Interessierten:

W. H. Schüßler wurde als vierter Sohn der Eheleute Schüßler geboren. Zu der damaligen Zeit machten die Naturwissenschaften erhebliche und bedeutende Fortschritte. Die Familie Schüßler war durch widrige Umstände sehr arm. W. H. Schüßler war seinem Lebenslauf zufolge erst Musik- und Sprachlehrer. Nebenbei beschäftigte er sich wohl mit der Homöopathie. 1852 begann er dann zu studieren, in Paris, Berlin, Giessen und Prag. 1858 eröffnete er dann als Dr. Schüßler seine Praxis in Oldenburg

 

Der Ausdruck „Schulmedizin“ erschien erstmals im Juli 1876 und war als sog. „Kampfbegriff der Homöopathen“ bekannt geworden. Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, benutzte seinerseits den Begriff „Allopathie“, damit meinte er die Schulmedizin. Dr. Schüßler war homöopathisch arbeitender Arzt, dadurch galt er in der Oldenburger Ärzteschaft als Außenseiter. Zu seiner Zeit waren etwa 700 homoöpa­thische Mittel bekannt. Da Dr. Schüßler zur Einfachheit tendierte, forschte er etwas weiter und traf u. a. auf die Werke des Prof. Jacob Moleschott, Justus Freiherr von Liebig und Prof.  Rudolf Virchow. Speziell der Letztere lehrte, dass das Wesen der Krankheit die pathogen veränderte Zelle ist. Hiernach ist die Ursache jeder Krankheit im Organismus in einem abnor­malen Zustand der Zelle bzw. des Zell-Lebens zu sehen.

 

Dr. Schüßler schloss daraus, dass wir krank werden, wenn die Zelle nicht im Gleichgewicht ist – es fehlen insofern Mineralien für den Zellstoffwechsel. Als Homöopath wusste Dr. Schüßler, dass die Mittel potenziert, also verdünnt, sein mussten, um in die Zelle gelangen zu können. Und da die Mineralien in der Zelle eine bestimmte Funktion auslösen, nannte er sie „Funktionsmittel“. Er forschte weiter und fand durch die Untersuchung der Asche von Verstorbenen einen Zusam­men­hang zwischen Todesursache und einem Mangel an bestimmten Mineralien (anorganischen Salzen). Er fand 12 Mineralienverbindungen essentiell, also lebensnotwendig.

 

Durch seine Heilerfolge mit den 12 Funktionsmitteln verfasste er 1874 eine Broschüre mit dem Titel „Eine abgekürzte Therapie“. Seine Heilmethode wurde vielfach weltweit eingesetzt und seine Veröffentlichungen wurden sehr bald in viele Sprachen übersetzt.

 

Er begründete dann sein eigenes Heilverfahren mit „Biochemie“, da er sich von der Homöopathie abgrenzen wollte (Hahnemann’sches Ähnlichkeitsprinzip). Unter Biochemie verstand er: Bios ist das Leben an sich und Chemie ist das chemische Vorgehen im lebenden Organismus.

 

In Oldenburg waren die Erfolge der „Biochemie“ so überzeugend, dass einige Patienten den Wunsch nach Verbreitung und Förderung dieser Heilweise hatten. So gründeten 1885 einige Schüßler-Anhänger den weltweit ersten Verein der biochemischen Bewegung.

Nach dem Tod Dr. Schüßlers wurde seine Heilmethode im In- und Ausland fortgesetzt. Vor dem 2. Weltkrieg gab es deutschlandweit erheblich mehr Vereine und Vereinsmitglieder als heute. Im Nationalsozialismus mussten ab 1935 deutsche Vereine Einheitssatzungen übernehmen, es gab eine Gleichschaltung im Gesundheitswesen u. ä. Probleme.